Eine perfekte Tourenwoche

Fünf Mitglieder (Timo Niebling, Dominik Weber, Christian Heller, Jonas Conrad, Simon Kretz) unserer Sektion, haben dieses Jahr ihren ersten 4.000er bestiegen und dazu einen Bericht verfasst.

 

Hoch hinaus sollte es gehen, dieses Jahr. Nach den doch etwas enttäuschenden Bedingungen am Hochfeiler (Zillertal) und Cima Presanella (Adamellogruppe) in der letzten Saison, wo Schnee und Eis eher durch Abwesenheit glänzten.

 

Schnell war der Dom, der höchste Berg des Mischabel, als Ziel ausgemacht. Bei 4.545 m Gipfelhöhe sollte Eiskontakt garantiert sein. Zum Akklimatisieren entschieden wir uns, Weissmies und Lagginhorn zu besteigen. Diese wurden uns von erfahrenen Hochtourengehern der Sektion (Danke Marc und Werner!) als Einstieg in die Welt der 4.000er empfohlen und befinden sich in Blickweite des Dom. Das Programm für diese Tour, welches durchaus ambitioniert ist, stand also. Ein Termin Ende August war auch schnell gefunden. Jetzt mussten nur noch die Bedingungen stimmen.

 

Und wie diese passten! Eine Woche vor Start konnte man schon erahnen, dass das Wetter bestens werden sollte. Anscheinend hatten wir uns die beste Woche des Jahres für unsere Tour ausgesucht. Nach einem Aufbruch am frühen Sonntagmorgen und einer problemlosen Fahrt erwartete uns in der Schweiz herrlichstes Sommerwetter. Laut Vorhersage sollte es, ohne Gewitterneigung, bis mindestens Freitag stabil bleiben.

 

 

 

Der Weissmies wurde, wie angedacht, als Überschreitung begangen. Interessante Kraxelei auf der einen und eine beeindruckende Gletscherwelt auf der anderen Seite bestätigten diese Planung. Eine wunderschöne Tour. Das i-Tüpfelchen war der luftige Gipfelgrat in perfektem Firn.
Nach einem eiskalten Fußbad im Gletschersee konnten bei sonnigem Wetter die nächsten Tourenziele, Lagginhorn und Dom, von der Sonnenterasse der Bergstation Hohsaas begutachtet werden.

 

 

 

 

Während dem Abendessen wurde der weitere Ablauf geplant. Nach der Besteigung des Lagginhorn sollte mit der Seilbahn ins Tal gefahren werden. Durch unseren Tischnachbar, welcher schon alle 4.000er in den Alpen bestiegen hatte, bekamen wir den Tipp, ab der Mittelstation mit überdimensionierten Tretrollern (Monsterroller) ins Tal zu fahren.

Am nächsten Morgen wurden die Rucksäcke etwas leichter gepackt, da wir nach der Besteigung wieder zur Hütte zurückkehren sollten. Der Aufstieg war eine ordentliche Kraxelei, leider etwas brüchiger als am Weissmies. Nach einer ausgedehnten Gipfelrast und einigen größeren Steinschlägen im Abstieg erreichten wir zeitig wieder die Bergstation.

Die Abfahrt mit den Rollern war sensationell. Die Dinger werden irre schnell und es macht wahnsinnig Spaß, damit ins Tal zu rasen. Absolut zu Empfehlen.

Nach einem gemütlichen Grillabend mit einigen Flaschen Wein und einer entspannten Nacht im Zelt ging es am nächsten Tag an das Hauptziel der Tour, den Dom.

 

Mit noch etwas schweren Beinen wurde in ordentlicher Mittagshitze die erste Etappe, zur Domhütte, angegangen. Startpunkt ist das kleine Dörfchen Randa, was ebenfalls sehenswert ist. In Randa scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Idyllisch geht es durch kleine Gassen durch die liebevoll erhaltenen Holzhäuser, bis es zum eigentlichen Einstieg geht. Der Aufstieg selbst ist ziemlich lang und hat einige seilversicherte Passagen zu bieten. Am späten Nachmittag erreichten wir die wunderschön renovierte Domhütte und nach dem Abendessen bezogen gleich unsere Lager.

 

Nach einer zu kurzen Nacht ging um 03:00 Uhr das Licht an. Wortkarg wurde sich angezogen und die gepackten Rucksäcke vor die Hütte gestellt. Um 03:45 Uhr ging der Marsch Richtung Festigletscher los. Wie schon bei den anderen Touren hielten wir uns eher am Ende der Seilschaften, da dies die Wegfindung doch erheblich vereinfachte. Nach dem ausgeaperten Teil des Gletschers wurde angeseilt, und der Weg ging weiter in Richtung Festijoch.

Auf halber Strecke etwa, konnte man erkennen, dass das sonnige Wetter auch seine Schattenseiten hat. Die bestehenden Gletscherbrücken waren schon ziemlich dünn, sodass es mehrere Trittspuren gab. Eine italienische Seilschaft entschied sich leider für die falsche Trittspur und ein Mitglied der Dreier-Seilschaft brach in eine Gletscherspalte ein. Der Eingebrochene war glücklicherweise unverletzt und konnte mit unserer Hilfe und einer weiteren Seilschaft geborgen werden. Wir und die andere Seilschaft setzten unseren Weg nach der Bergung fort. Die Italiener entschieden sich für den Abstieg.

Der Weg auf das Festijoch war unschwierig. Auf der anderen Seite musste eine kleine vereiste Stelle abwärts geklettert werden, um auf den Hohberggletscher zu kommen. Auf diesem wurden in weitem Bogen die mächtigen und beeindruckenden Seracs des Dom umgangen. Mit mäßiger Steigung ging es bis zum Schlussanstieg. Dieser sollte uns nochmal einiges Abverlangen. Schritt für Schritt ging es in der Trittspur Richtung Gipfel. Kurz vor dem Ende wurde es nochmal richtig Steil.

 

 

 

Auch dieses kurze Stück wurde gemeistert und wir standen auf dem Gipfel des Dom. Die Aussicht war unbeschreiblich. Matterhorn, Mont Blanc, Weisshorn, Lagginhorn, Weissmies und viele weitere 4.000er konnten wir sehen, die Meisten von oben. Die Fernsicht war gigantisch. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Nach dem obligatorischen Gipfelfoto musste der Gipfelschnaps leider ausfallen, beide Flachmänner befanden sich noch im Tal.

Nach etwa 10 Minuten entschieden wir uns, den Rückweg anzutreten, da ja erst die Hälfte der heutigen Tour geschafft war.

Der Weg bis zum Festijoch und darüber verlief unspektakulär. Wir seilten uns auf den Festigletscher ab und danach galt es, nochmal die Konzentration hoch zu halten. Einige der Gletscherspalten konnten nur durch einen beherzten Sprung überwunden werden. Andere mussten wir auf neuen Wegen umgehen. Der Gletscher hatte in den letzten Tagen und Stunden ziemlich gelitten. Wir entschieden uns daher, früher als geplant wieder auf die Moräne zu queren. Nachdem wir eine geeignete Stelle gefunden hatten, kraxelten wir durch den Schutt bis auf den gut ausgetretenen Pfad, welcher uns wieder zur Domhütte führen sollte.

Nach 13 Stunden erreichten wir müde, aber glücklich die Domhütte und ließen uns in der Sonne das kühle Bier bei schöner Aussicht auf das Matterhorn und das Weisshorn schmecken.

 

 

Am nächsten Morgen brachen wir, nach einem fantastischen Frühstücksbuffett, gegen 08:30 Uhr auf ins Tal und erreichten Randa um die Mittagszeit. Es ist ein schönes Gefühl, nach erfolgreicher Bergtour wieder ins Tal zurückzukehren. Die Heimfahrt dauerte, aufgrund von mehreren Staus in der Schweiz, etwas länger. Aber gegen Mitternacht erreichten wir müde und zufrieden wieder unsere heimische Rhön.

 
©2010 DAV Sektion Fulda e.V.