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Kletterhallen-Blog DAV Fulda

Seit dem 24.02.2012 hat unsere Sektion eine eigene Kletterhalle. Infos über Öffnungszei-
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Felsen und Leidenschaften - Eine Vorgeschichte

Bericht und Geschichte gerschrieben von Marc Wehner
Ich öffnete meine Augen und sah in einen tiefblauen Himmel. Die noch frisch grünen Blätter der Buche bewegten sich sanft in einem angenehm milden Luftzug. Es war ein herrlicher Frühsommertag. Plötzlich durchbrachen laute und hektische Stimmen meine Wahrnehmung. Mein angenehmes Gefühl entwich einer schweren Beklommenheit. Ich war hin und her gerissen, ob das, was ich hier erlebe, ein Traum ist oder Wirklichkeit. Das Bild sprang immer wieder hin und her. Mal dachte ich, jeden Augenblick zu Hause im Bett aufzuwachen und der Tag kann beginnen, mal realisiere ich, dass der Tag schon längst vorangeschritten ist und ich mich an der Steinwand in der Rhön befinde.

Abgestürzt an der Steinwand
Doch langsam setzte sich die Realität in meinem Bewusstsein durch. Ich lag am Fuße der Steinwandfelsen. Ich war abgestürzt. Hilflos und bewegungsunfähig lag ich zwischen den Felsen. Leute um mich herum versuchten mit mir zu sprechen. Anfangs hörte ich die Stimmen nur weit entfernt und nahm die Inhalte ihrer Worte gar nicht wahr. Doch dann konnte ich sie langsam verstehen und nach einiger Zeit konnte ich auch langsam wieder sprechen.

Ein Leben lang gelähmt?
Mein Freund Robert kniete neben mir und zwickte mich ständig in meine Beine und schaute mich ängstlich fragend, fast flehend zugleich an. Er merkte, dass ich meinen Körper unterhalb der Schulter und Arme nicht bewegen konnte. Aber ich spürte seine Berührungen. Mir war in diesem Moment plötzlich klar, dass ich vielleicht gelähmt sein werde. Bei aller Anstrengung und mit meinem ganzen Willen war es nicht möglich, auch nur eine kleine Bewegung mit der unteren Körperhälfte zu machen.
 

Bohrhaken-Aktion mit Marc Wehner und Werner Knauf an der Steinwand / Rhön

Die Fotos oben wurden von Marc Wehner gemacht und zeigen, welcher Aufwand betrieben wird, um neue Haken zu setzen. Viele Stunden haben Marc Wehner und Werner Knauf (der Mann in Aktion auf den Fotos) schon (ehrenamtlich) investiert, um das Klettern an der Steinwand sicher zu machen.



Erinnerung weg

Meine Gruppe hatte den Absturz unmittelbar mitbekommen und musste mir erst einmal mitteilen, was eigentlich genau passiert ist. Ich konnte mich an nichts erinnern.
 
Absturz auf zehn Metern Höhe
Mehr als zehn Meter Sturzhöhe, zwei Mal bin ich auf Absätze aufgeschlagen in einem Gelände, welches durchsetzt ist von zum Teil spitz aufragenden kleinen Felsen. Fast die komplette Abseilwand mit Landung unter dem Pfeilerblock. Zwei der Kletterer, die den Unfall gesehen hatten, liefen nach vorne zum Parkplatz, um meine dort befindlichen Freunde zu informieren. Sie kamen in dem Bewusstsein an die Unglückstelle geeilt, dass ich womöglich nicht mehr leben würde.
 
Entwarnung
Nach vielen Minuten konnte ich die Beine ganz leicht bewegen, doch erst Stunden später in der Klinik gab es Entwarnung, es waren nur starke Prellungen, Blutergüsse und Verstauchungen, die die Bewegungsunfähigkeit verursachten und keine schwerwiegenden Nervenverletzungen.

Nachwirkungen
Doch unter den anderen schweren Verletzung, die ich davongetragen habe, leide ich noch heute. Vor allem die fortschreitende Arthrose in den teils steifen Gelenken macht mir stark zu schaffen. Viele Operationen und Therapien haben meine Lebensqualität jedoch verbessert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass damals vor etwa 14 Jahren, nicht mehr passiert ist. Auch den Ärzten, die es geschafft haben meine rechte Hand wieder zusammenzubasteln. Somit blieben mir wenigstens nach dem Unfall ein paar Jahre, in denen meine Einschränkungen noch nicht so stark waren. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denke, dass auch ein anderes Schicksal mich hätte treffen können.
 
Ein Wunder
Es grenzte an ein kleines Wunder, so einen Absturz überlebt zu haben. So kann ich mittlerweile auch an Tagen, an denen meine Schmerzen nur einen kleinen Spaziergang mir dem Hund zulassen, scheinbar kleine Dinge genießen. An solchen Tagen kann ich zwar nicht einmal meine normalen Schuhe richtig anziehen, geschweige denn irgendwelche sportlichen Bewegungen ausüben, aber ich weiß, dass immer wieder auch etwas bessere Phasen kommen. Das Klettern kann ich dementsprechend heute nur noch ziemlich eingeschränkt und selten ausüben. Einige Therapeuten und Ärzte haben es mir in einem „bestimmten Rahmen“ sogar als förderlich empfohlen.
 
Klettern geht wieder
Ich genieße dann jede Tour, die ich mit großer Vorsicht noch klettern kann. Es tut meiner Psyche gut, noch ein bisschen dabei zu sein. Die ganz großen Touren in den Alpen, wie etwa die Zinnennordwand, sind aber Vergangenheit. Da sind die Schmerzen und die Gefahren aufgrund meiner Behinderung einfach zu groß. Ein bisschen Wehmut ist dann schon dabei, wenn die anderen wieder losziehen.
 
Familienklettern
Meine Kinder drängen mich in letzter Zeit immer mal wieder mit ihnen Klettern zu gehen. Da meine Frau auch schon immer kletteraktiv ist, haben wir schon ein paar Mal mit ihnen erste kleine Touren im Klettergarten geklettert. Aber mein Unfall schwingt natürlich immer in Gedanken mit. Das lässt einen nicht mehr los. Oft sind Schmerzen in den kaputten Gelenken am darauf folgenden Tag der Preis, den man dafür zahlen muss, ein wenig Kletter- und Bergfreude zu erleben.

Felsen und Leidenschaften - Noch eine Vorgeschichte

Die Steinwandexperten
Seit 1997, ein Jahr nach meinem schweren Unfall an der Steinwand, haben mein langjähriger Kletterfreund Werner Knauf und ich angefangen, die Steinwand sozusagen zu „betreuen“. Neben dem Kontakthalten mit den vier Eigentümern der Steinwand als Vertreter der Alpenvereins Sektion Fulda, kümmern wir uns vor allem um die Sicherheit an der Wand.

Erste Bohraktion
In jenem Jahr haben wir eine erste Bohraktion durchgeführt um verschiedene neue Routen einzubohren und auch alte Haken zu ersetzen oder in schlecht gesicherten Routen zu ergänzen. Insgesamt waren es damals etwa 25 neue Haken. Nachdem wir mehrere Jahre den damaligen status quo, mit dem wir nicht wirklich zufrieden waren, beibehielten, kam 2009 eine Wende.

 

Felsen und Leidenschaften - Die Hauptgeschichte

Bohrhakenkurs an der Steinwand
Im Sommer 2009 empfahl Norbert Weber uns, Werner Knauf, Bernhard Klingebiel und mir, an einem Bohrhakenkurs des Sicherheitskreises des DAV München teilzunehmen. Das interessierte uns natürlich als „Betreuer“ der Steinwand und wir meldeten uns an.

Zwei Tage lernen
Dieser zweitägige Theorie- und Praxiskurs mit etwa zehn Teilnehmern aus verschiedenen Sektionen wurde an der Enzianhütte und der Steinwand durchgeführt. Die Erkenntnisse, die wir durch Florian Hellbergs (quasi der Nachfolger des berühmten Pit Schubert) Ausführungen und Demonstrationen erlangten waren für uns von tief greifender Natur.

Wertvolle Erkenntnisse
Bis dato beurteilten wir Bohrhaken als das absolut sicherste Mittel, um Kletterrouten abzusichern. Da staunten wir nicht schlecht, dass alleine zwischen 2000 und 2007 immerhin 17 bekannte Ausbrüche moderner Bohrhaken bekannt geworden sind. Selbst die als am sichersten geltenden Verbundklebehaken sind teilweise schon bei einer axialen Belastung durch das bloße Körpergewicht eines Kletterers heraus gebrochen und es kam zum Teil zu tödlichen Unfällen.

Höchste Zeit was zu tun
So gesehen konnte uns kaum besseres geschehen, als einen Fachmann an Ort und Stelle zu haben, um die aktuell existierenden Bohrhaken an der Steinwand zu begutachten. Uns war natürlich vorher nicht bewusst, dass da ein paar ganz gefährliche Dinger auch in unseren Beständen in der Wand hingen. Ein Belastungstest durch eine Zugmaschine mit einer entsprechenden Anzeige von einem oben auf der Steinwand befindlichen klassischen Bühlerhaken zeigte, dass sich Haken bereits dicht an der Norm (axiale Belastung 15 kN, radiale Belastung 25 kN) aus dem Fels herausziehen lassen.

Tickende Zeitbomben
Die große Unbekannte bei den teilweise bereits in den 1970er Jahren einzementierten Haken ist der Zustand im Bohrloch. Feine Risse und Ausbrüche lassen Wasser eindringen, was zu Korrosion an einigen Metallen führt oder den Haken durch das nicht mehr belastungsfähige Verbundmaterial, in diesem Falle eine Art Zement, instabil werden. Tickende Zeitbomben sind auch die Kronenbohrhaken, ein Spreizdübel-System dass aus gehärtetem und somit rostendem Material besteht.

Äußerlich alles ok, aber innen?
Obwohl die Haken nach außen oft durch die Edelstahllasche und –schraube noch sehr Vertrauens erweckend aussehen, kann im Inneren der Haken bereits die Korrosion den Haken zu einem unkalkulierbaren Risiko verwandelt haben. Des Weiteren ist es von außen nicht sichtbar, ob vielleicht das Bohrloch zu tief gebohrt war und der Dübel gar nicht richtig aufgespreizt war. Das vermindert die Belastungsfähigkeit schnell in nicht mehr ausreichende Werte, führt also unter Umständen zum Ausbruch des Hakens.

Bühlerhaken neuer Generation
Die klassischen Bühlerhaken verbergen zudem ein erhöhtes Risiko, dass sich die eingehängten Karabiner der Expressschlingen ungünstig aufstellen und aushängen können. Mir ist dies persönlich bereits auch an einer Bohrlasche passiert. Bei einer Rotpunktbegehung des „Sensenmann“ im Jahr 1995 an der Teufelskanzel (VII+) hängte sich mein Karabiner während der Fortbewegung nach oben aus dem zweiten Haken aus. Ich hing praktisch ungesichert in der Schlüsselstelle. Glücklicherweise konnte ich die Route zu Ende klettern und noch den rettenden dritten Haken klinken. Moderne Bühlerhaken haben eine andere, abgeflachte Form, die ein solches Aufstellen und Aushängen eines Karabiners verhindern sollen.
 
Nur zwei bis drei Zentimeter in der Wand
Wir haben so manchen Rosthaken aus den Felsen gezogen bzw. geschlagen. „Beeindruckend“ waren auch die zum Teil nur 2-3 cm langen Schafte und Gewinde der alten Bohrhaken. Es ist kaum anzunehmen, dass diese die Norm noch erfüllt hätten.

Top-Material verbaut
Der entscheidende Unterschied der heute verwendeten Haken ist die Mindesteinbindtiefe von 70 mm, das Material, aus dem der Haken besteht (korrosionsbeständiger Edelstahl; EN 959; UIAA Norm Nr. 123) und das spezielle Verbundmaterial, welches aus dem Industriebereich stammt. „HILTI HIT“, „Upad UPM 44“ oder „fischer FIS VS 150 C“ Verbundmörtel sind die vom DAV empfohlenen Materialien, mit denen auch wir ausschließlich arbeiten. Die Vorgehensweise ist uns mittlerweile zur Routine geworden. Unser kleines zuverlässiges Honda Aggregat liefert uns den Strom. Mit einem 14er Bohrer wird dann mit dem Bohrhammer ein etwa 8 cm tiefes Loch gebohrt.
 
Ausblasen der Bohrlöcher
Dieses muss gründlich mit kleinen speziellen Bürsten und einem entsprechenden Blasebalg mehrfach ausgeblasen bzw. gereinigt werden. Ist das Loch staubfrei, wird dieses zu zwei Dritteln mit dem Verbundmörtel gefüllt. Das Material besteht aus zwei Komponenten, die mit Hilfe eines Auspressgerätes, versehen mit einer Mischdüse, verbunden werden. Der Haken wird nun einfach in das Loch mit dem Mörtel gepresst.
 
Alles nach DAV-Empfehlung
Dann muss der Verbundmörtel je nach Temperatur 1 bis 5 Stunden aushärten. Danach wird ein Belastungstest der Haken durchgeführt. Wir verwenden nur entsprechende Haken, die vom DAV offiziell empfohlen und genormt sind. Bei Umlenkungen und Abseilhaken wird in der Regel ein redundantes System mit zwei Bohrhaken, verbunden mit einer Edelstahlkette, angebracht.
 
Komplettsanierung der Haken
Mit dem Wissen dieses Kurses fassten wir den Entschluss, in Absprache mit dem Alpenverein und den Eigentümern, den Klettergarten Steinwand komplett zu sanieren. Alle zweifelhaften Haken sollten sukzessive ausgetauscht werden. Und noch mehr, die teils unverständlichen Platzierungen der Haken konnten endlich korrigiert werden. Ein paar sinnvolle Umlenkungen konnten ergänzt werden, um das Seildurcheinander an gut frequentierten Tagen zu reduzieren. Die Philosophie unserer Aktion kann man in etwa so beschreiben: Diejenigen Routen, die mit Bohrhaken versehen werden, sollen auch so gebohrt werden, dass bei richtigem Verhalten keine größeren Stürze möglich sind.

Mehr Sicherheit durch neue Platzierung der Haken
Die alten Bohrungen, wie etwa am Schwupp-Dich, dem Octopus, dem Pfeiler oder dem Schuppenweg waren so gebohrt, dass der erste Haken teilweise bereits über den ersten schwierigen Passagen kam. Ein Sturz wäre mit einem großen Verletzungsrisiko einhergegangen. Zudem befinden sich einige Routeneinstiege auf Blöcken. Bei einem Sturz wäre dann der Sichernde unter Umständen gleich noch mehrere Meter mit in die Tiefe gestürzt. Aber wir haben auch einige Haken entfernt bzw. Hakenreihen ausgedünnt.

Kompromiss finden
Die klassischen Hakenreihen der „Hakenleiter“ und der „Direttissima“ sind durch heute übliche Hakenabstände ersetzt worden. Uns ist auch klar, dass wir es nicht allen Kletterern Recht machen konnten. Die Puristen erzürnen, wenn man etwa einen „Kronenriss“ überhaupt mit Haken versieht, den kann man schließlich nahezu perfekt mit mobilen Sicherungsgeräten absichern. Nach unseren Erfahrungen haben die meisten Kletterer aber gar keine Klemmkeile oder Friends bzw. können diese nicht richtig und sicher anwenden. Wer diese Touren „clean“ klettern möchte, der kann es ja nach wie vor tun.

Viele Anhänger der Steinwand
Die Steinwand besuchen nun mal sehr viele Anfänger und un- oder wenig geübte Kletterer. Und was passieren kann? Man lese oben!!! So ist nicht zuletzt der bekannte österreichische Kletterer Albert Precht, früher ein Verfechter der bohrhakenfreien Routenbegehungen vor allem aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme zur Erkenntnis gekommen, dass man mit Bohrhaken, auch mit nicht so extremen Abständen, doch sicherer unterwegs ist. Sonst könnte er seinen geliebten Sport vielleicht gar nicht mehr ausüben.

Nur bestimmte Stellen kommen in Frage
In den letzten Jahren sanierte er sogar seine eigenen alten Routen mit neuen Bohrhaken. Andere würden gerne noch mehr Absicherungen sehen, doch Klettern soll den Ausübenden auch zu einer gewisse Eigenverantwortung bringen. Manche Haken sind auch deshalb an nicht gleich verständlichen Stellen gebohrt worden, weil ein Haken nur an bestimmten Stellen gesetzt werden kann. Mindestabstände zu Rissen oder hohl klingende Schuppen oder Blöcken sind zum Beispiel zu beachten. Wir haben die Haken nach Absprache mit möglichst vielen Kletterern der Steinwand gesetzt und hoffen, dass unser Engagement den meisten die Freude und vor allem die Sicherheit steigert.

Danke an die Helfer
Zum Schluss möchte ich den fleißigen Helfern danken. Da ich aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen nicht immer so tatkräftig mithelfen konnte, wie ich es gerne wollte, muss ich den anderen Helfern besonders danken. Der wichtigste Mitstreiter bei den bis heute rund vierzehn „Bohrtage“ mit etwa 130 neuen Haken war Werner Knauf, er war an fast allen Aktionen beteiligt. Des Weiteren sind Bernhard Klingebiel und Wolfgang Schnell oftmals mit von der Partie und sehr fleißig gewesen. Dank auch an Horst und Susanne, Tim, Matthias, Justin, Alex, Patrick, Willi, Michel S. und alle die ich vielleicht vergessen habe.

Noch ein Hinweis: Nach geltendem Recht in Deutschland besteht bei der Einrichtung von Kletterrouten keine Verkehrssicherungspflicht, wie etwa bei Wanderwegen oder Klettersteigen. Jeder Kletterer ist für sich selbst verantwortlich, wenn er in eine Route einsteigt. Eine hohe Aufmerksamkeit und Umsicht sollten immer vorhanden sein. Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge sind wir dankbar. Diese können über die Sektion an uns weitergeleitet werden. Wir wünschen allen Kletterern schöne und unfallfreie Klettererlebnisse an unserer zweiten Heimat „Steinwand“.

 
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