Seit 60 Jahren erschließt der Fuldaer Höhenweg nun bereits die Pitztaler Gletscherwelt für die Wanderer. Wir blicken an dieser Stelle zurück, wie alles angefangen hat und geben Einblicke in seine Entstehung.

Wie kam es zur „Fuldaer Bergheimat“?

Im Sommer 1958 besuchte Gustav Martins, 1. Vorsitzender der DAV Sektion Fulda, gemeinsam mit seiner Frau und einigen Frankfurter Freunden bei einer seiner Bergfahrten das Frankfurter Sektionsgebiet. Dabei stellte er fest, dass die Verbindung von der Riffelseehütte zum Taschachhaus nicht gerade glücklich verläuft, denn:
wollte man beide Hütten besuchen, musste man erst 800 Hm hinauf zur Riffelseehütte, wieder zurück ins Tal, auf dem Talboden entlang, um dann zum Taschachhaus aufzusteigen. Abgesehen vom Rauf und Runter war die Aussicht durch die Talwände sehr begrenzt. So sprach Gustav Martins mit den Frankfurten, warum und wieso es keinen Weg auf der Höhe gäbe. Die Antwort: den Frankfurtern fehlten nach der Übernahme von fünf hochalpinen Hütten sowie dem Bau einer weiteren Hütte im Taunus schlicht die Mittel dazu. So fasste Gustav Martins auf dem schlechtesten Teil des Weges bei regnerischen Wetter den Gedanken, diesen Weg und damit einen alten Plan der Frankfurter, einen Weg über die so genannte Schafsteige zu bauen, umzusetzen.


Gesagt, getan. Diesem Wunsch folgte schließlich am 1. September 1959 der Beschluss der Sektions-Hauptversammlung, in der Martins den Bau des Fuldaer Höhenwegs (Name war ein voraus gegangener, einstimmiger Beschluss der Sektion Frankfurt) mit folgenden Argumenten begründete:
– Wir erhalten die Heimatrechte im Hochgebirge zurück, nachdem der „Fuldaer Weg“ in Südtirol nach dem Krieg verloren ging.
– Wir erfüllen den Wunsch der befreundeten großen Nachbarsektion Frankfurt.
– Wir erfüllen uns selbst einen Wunsch, besonders der Jugend, Jungmannschaft und Bergsteigergruppe.
– Das Gebiet des „Fuldaer Höhenwegs“ hat allen Sektionsmitgliedern etwas zu bieten.
– Wir erfüllen eine Pflicht aus unserer Satzung heraus.
– Die Funktion der Enzianhütte als Wegbereiter in das Hochgebirge wird gestärkt.

Der Weg solle den bis dahin zeit- und kraftraubenden Abstieg bis auf die Talsohle und den Wiederanstieg zum 2.434 m hohen Taschachhaus vermeiden. Er bleibt immer in fast gleichmäßiger Höhe und eröffnet dabei neue Möglichkeiten:

– ein neues Gebiet „für Bergfahrten mannigfacher Art“
– neue Möglichkeiten zur Gipfelbesteigung, auch von der Riffelseehütte aus, die man bislang nicht „für tunlich hielt“
– eine wunderbare Rundumsicht: es eröffnet sich durch diesen fast mühelosen, gleichwohl hochalpinen Weg nach und nach ein Panorama, das man sich „auf manch schwer erklimmbarem Gipfel“ wünscht.
– die Teilnahme an Kursen und Lehrgängen in Fels und Eis vor allem am Taschachhaus wird möglich.
– mit der Riffelseehütte gewinnt die Sektion zusätzlich einen Ort für einen angenehmen Gebirgsaufenthalt

Ein Weg als Geschenk – und Zeichen der Verbundenheit

Ein Jahr später, am 5. September 1959, feierte die Sektion Frankfurt ihr 90-jähriges Sektionsjubiläum im Pitztal. Mit dabei, die Sektionsvertreter aus Fulda, die ein ganz besonderes Geschenk auf der Jubiläumswanderung zwischen Riffelseehütte und Taschachhaus mit „im Rucksack“ hatten.

Und bei der Rast an der Mündungsstelle des alten Weges zum neuen „Fuldaer Höhenweg“ wurde dies feierlich überreicht: Gustav Martins machte den Ausbau des Fuldaer Höhenwegs offiziell der DAV Sektion Frankfurt zum Jubiläumsgeschenk (Bild links). In seiner Ansprache hob er hervor, dass die bestehende Freundschaft zwischen beiden Sektionen durch den Ausbau eine Vertiefung erfahren würde und eine noch bessere Zusammenarbeit gewährleistet wäre. Später schrieb er in den Sektionsmitteilungen, dass diese „Jubiläumsfahrt“ der Beginn einer neuen Ära in der Sektion und ein gutes Omen für die Hochgebirgs- und alpine Zukunft wäre.
Die Frankfurter schrieben über das Jubiläumsgeschenk in ihrer Sektionsmitteilung: „Dieser Weg ist mehr als eine Verbindung von Hütte zu Hütte. Er ist Ausdruck einer freundschaftlichen Verbundenheit von zwei Sektionen, ein Zeichen des guten alten Alpenvereinsgeistes.“, der den „jahrelangen Kummer“ der Sektion nun aufheben würde.

Die österreichische Bezirkshauptmannschaft hob in ihrer Festrede zum Frankfurter Jubiläum die Jubiläumsgabe der Fuldaer Sektion besonders hervor: „Der Weg sei mehr als ein übliches Geschenk. In dieser Tat spiegele sich die wirkliche Gesinnung und der alte Geist der Bergkameradschaft wieder, der auch in Zukunft bestehen bleiben möge“

Eine erste Abordnung der DAV Sektion Fulda nahm anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten bereits 2/3 des Weges erstmals in Augenschein und markierte die erforderlichen Stellen für Ausbauarbeiten entlang der Almhänge des Kaunergrates mit Steinmanndln. Die Hauptarbeit lag nach Einschätzung der Begeher an einem Stück nahe des Taschachhauses, während die übrigen Arbeiten als leicht und wenig zeitraubend eingeschätzt wurden. Es handelte sich dabei um einen herabziehenden Felsrücken am Köpfle. Dieses große Fragezeichen hatten tags zuvor der Wirt des Taschachhauses Fürüter und der Frankfurter Richard Feih aufgrund von Erinnerungen des früheren Taschachhaus-Bewirtschafters als Vorbereitung für die Fuldaer Abordnung in Augenschein genommen. Schließlich fanden sie einen Weg durch den mittleren Teil des Felsens, von dort auf ein Band und weiter über Fels- und Grasbänder. Der ‚Lückenschluss‘ war geglückt.

Schritt für Schritt zum neuen Höhenweg

27 Teilnehmer der DAV Sektion Fulda besuchten schließlich vom 15.-20.6.1960 das Pitztal und informierten sich vor Ort über den Arbeitsstand. Die Firma Eiterer aus Landeck hatte bereits – unterstützt durch lokale Bergführer – mit den Arbeiten am schwierigen Teilstück des Wegs begonnen. Ende Juli/Anfang August sollten dann die jungen Bergfreunde der Sektion Fulda ins Pitztal reisen, um die von ihnen übernommene Ausarbeitung des gewählten Wegstückes zu übernehmen, für September war die Erstbegehung vorgesehen.
Und gemeinsam schafften es die Bergsteiger- sowie die beiden Jugendgruppen (Fulda und Lauterbach) der Sektion Fulda in ihren Arbeitseinsätzen noch vor dem ursprünglich geplanten Termin den Weg fertig zu stellen – einen der schönsten Höhenwege der Ostalpen, so die einhellige Meinung der damaligen Zeitzeugen.


Feierliche Erstbegehung am 10. September 1960

Am 10. September 1960 erfolgte schließlich die Erstbegehung des Fuldaer Höhenwegs, die von Sonnenschein, schneebedeckten Hängen und einem wolkenlosen Himmel begleitet wurde.

An diesem Tag starteten die Festgäste um 8:15 Uhr an der Riffelseehütte, um über den neuen Weg zum Taschachhaus zu wandern. Mit dabei waren neben Sektionsvertretern aus Fulda Gäste aus Frankfurt, benachbarter Sektionen und aus der Umgebung. Nach einer 3/4 Stunde stoppte die Truppe das erste Mal an der Stelle, an der der alte Weg ins Tal und der neue auf die Höhe abzweigt. Hier übergab der damalige Frankfurter Sektions-Vorsitzende Dr. Kalies den Weg an die Sektion Fulda. Glückwünsche benachbarter Sektionen und die kirchliche Weihe folgten. Damit war der Weg zur Erstbegehung frei gegeben; nachdem ein weißes Band feinsäuberlich durchgeschnitten wurde – „Die Fuldaer senn fürnahm“, hieß es damals im Sektionsheft.


Der Festtag endete am Taschachhaus mit Festreden des DAV München, des Sektionenverbandes Hessen-Pfalz-Saar, der Sektion Frankfurt und der Landesregierung Tirol sowie der Sektion Imst-Oberland und: den damals wohl legendären Taschachhaus-Schnitzeln.

Parallel zu den Feierlichkeiten brach an diesem Tag die Bergsteigergruppe der DAV Sektion Fulda zur Besteigung der Eiskastenspitze auf (ursprünglich war die Bliggspitze angedacht, diese war aber nicht begehbar), um den Einweihungstag mit einem Gipfel zu krönen.

Den weiteren Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass der Weg rasch begeisterte Zustimmung bei anderen Begehern fand.

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