Denn was 1949 als erste Idee für ein Vereinsheim der DAV Sektion Fulda und einer kleinen Holzhütte begann, ist heute zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der Rhön mit überregionalem Bekanntheitsgrad geworden.
1886 gegründet waren die ersten Jahrzehnte der DAV Sektion Fulda geprägt durch Vorträge, Wanderungen und erste Aktivitäten in den Alpen. Die Kriegsjahre führten dann dazu, dass das Sektionsleben zum Stillstand kam und immer wieder aufgebaut werden musste.
Nach dem zweiten Weltkrieg - die Wege in die Alpen waren noch zerstört oder versperrt - brachte dann das damalige Vorstandsmitglied der DAV Sektion Fulda, Georg Steyer, die Idee einer eigenen Vereinshütte im Heimatgebirge auf. Auch, um die Mitglieder wieder zusammen zu führen sowie neue Mitglieder vom Alpenverein zu begeistern.
Fündig wurde die Sektion zunächst in Form einer bestehenden Hütte auf der Erika-Alm (auf der Harbacher Hute, nicht weit vom Bahnhof Milseburg). Da hier aber nur sechs Personen Platz fanden, suchte man bald nach einem neuen Hüttenstandort und wurde mit dem 785m hohen Weiherberg bei Dietges fündig. Hier errichtete die Sektion 1949 schließlich eine kleine, gebrauchte Holzhütte (Baubude) - der Grundstein für die spätere Enzianhütte. Am Standort des heutigen Biwaks bot die Hütte Platz für 20 Personen und hatte eine kleine Küche, die mit Holz und Kohle befeuert wurde. Man taufte die Hütte auf „Enzianalm-Hütte“, da beim Aufbau an dieser Stelle Enzian gefunden wurde.
Eine Übernachtung kostete damals 50 Pfennig für Mitglieder und 1 DM für Gäste. Und die Hütte war gefragt: 1950 gab es 320 Übernachtungen und 780 Tagesgäste, 1951 bereits über 400 Übernachtungen und über 1.300 Tagesgäste.
Und so blieb es nicht bei der Holzhütte, die auch die Sektionsmitglieder gern und häufig nutzten. Es entstanden - wieder aus Platzgründen - die Pläne für die heutige Enzianhütte, die mit Hilfe von Spenden und durch Eigenleistungen der damaligen Sektionsmitglieder entstand. Baubeginn war am 3. Juni 1951. Vor allem die Jugend der Sektion machte sich mit Schippen, Hacken und Spaten fleißig ans Werk. Aber es gab noch keine Straße und so musste das Material auf den Berg getragen werden. Allein 1951 leisteten 63 Mitglieder 1.228 Arbeitsstunden.
Gleich zweimal feierte die Sektion das Richtfest, denn: nach dem ersten Richtfest im September 1952 zerstörte ein schwerer Sturm das Dach und die Giebelmauern, so dass im April 1954 das zweite Richtfest folgte.
Am 1. Juli 1956 feierte die Sektion mit einem Bergfest schließlich die feierliche Eröffnung der Enzianhütte. Sie bestand aus dem Gastraum, Schlafräumen, einer Selbstversorger-küche, dem Raum für den Hüttenwirt und einem Raum für den Hüttendienst der Sektion, der am Wochenende Hausherr war. Für die Sektion wurde die Hütte mit verschiedenen Veranstaltungen - vom Faschingsball bis zum Bergfest - schnell zum gesellschaftlichen Mittelpunkt.
Zerreißprobe in den 70er Jahren
Neue Auflagen, Probleme mit den Hüttenpächtern sowie ein vorrübergehender Eigenbetrieb (mit zeitweiser Schließung) führten dazu, dass die Hütte in den 70er Jahren vor einer Zerreißprobe stand und verkauft werden sollte. Dem stimmten die Mitglieder der Sektion jedoch nicht zu. Schließlich zog 1981 wieder Leben in Hütte ein, nachdem mit Carl Ferdinand Schloenbach und Karl Herzig ein Notvorstand bestellt wurde und mit dem Ehepaar Böge neue Pächter gefunden waren.
Zuvor hatte auch die Jugendgruppe der Sektion als „Fundament des Vereins“ Einzug in die Souterrainräume der Enzianhütte gehalten und es wurde 1972 die heutige Fahrstraße mit Parkplatz gebaut. Denn auch bei guter Witterung hatten PKWs aufgrund der starken Steigung Probleme, die Hütte zu erreichen, so dass z.B. die Vorräte für den Winter immer bis November zur Hütte gebracht werden mussten. 1987 erkennt der DAV-Hauptverband in München die Enzianhütte offiziell als Mittelgebirgshütte an.